see.through.wall

Installation | 2016
Zusammenarbeit mit René Müller
Holz, Panorama, Fenster
190 cm x 150 cm x 6 cm

 

«Betriebssysteme, die schlicht Fenster heissen, bezeugen schon, dass die unvordenkliche Erfindung des Fensters einen Raum progressiver Virtualisierung aufgetan haben muss. Es ist offenbar möglich, Fenster nurmehr in Software zu simulieren, ohne ihren Begriff zu verraten. Woraus umgekehrt folgt, dass schon im architektonischen Fenster, ohne oder mit Glas, ohne oder mit Gitterstäben, die andere Seite jeweils als virtuelle Realität erscheint. … Aber vielleicht treibt die westliche Welt (was immer das sein mag) die Virtualisierung ihrer Fenster auch nur zu weit. Der greifbarste Unterschied zwischen gebauten und simulierten Fenstern ist auf dieser Seite des Planeten noch immer, dass nur die simulierten verstellbar, verschiebbar, vergrösserbar sind. Im japanischen Holzbau dagegen kann jedes Fenster, so die aktuelle Stellung von Mond, Kirschblütenzweig und Seele es nur wollen, zum grafisch optimalen Ausschnitt verformt werden. Was nicht ausschliesst, Fenster nicht sowohl zu schliessen, als vielmehr gegen Null gehen zu lassen. Denn Monaden, fensterlose Wesen, müssen als Grenzwert immer möglich bleiben.»

 

Friedrich Kittler: Fenster, Windows und der Mond über Kyoto.
In: Fritz Balthaus, Ausstellung im Schinkel-Pavillon,
Katalog. Basel-Dresden-Berlin 1996, S. 109f.